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Mögliche Diagnostik

Ausführliche Anamnese

Da bei vielen Patienten ein langer Leidensweg vorliegt hilft folgendes sehr, damit auch unnötige Wartezeiten reduziert werden können. An erster Stelle stehen die Erfassung der Symptome und deren Folgen (Anamnese).

  • Um dieses zu erfassen sollte der/die Patient(-in) bevor er/sie sich das erste Mal in unserer Klinik vorstellt bereits ein Miktions- / Inkontinenztagebuch erstellt haben. In diesem Protokoll sollen neben der getrunkenen Flüssigkeitsmenge die Urinmengen, die Anzahl der Vorlagen und die Menge des jeweiligen Urinverlusts, aber auch die Situation die dazu geführt hat (plötzlicher Drang), aufgeführt werden.
  • Zur ersten Vorstellung in unserer Klinik sollte jeder Patient, - ALLE zurückliegenden Akten (Röntgenbilder, Entlassungsbriefe, Briefe von Kollegen, wie Neurologen, Gynäkologen, Urologen, Chirurgen, Internisten und dem Hausarzt) -, die in irgendeinem Zusammenhang mit der Inkontinenz stehenden könnten, Behandlungsversuche (d.h. versuchte Medikationen) aber auch eine Liste aller aktuellen Medikamente mitbringen.
  • Der Patient sollte zuvor durch den überweisenden Kollegen eine aktuelle Urinuntersuchung und ggf. eine antibiotische Therapie erhalten haben.
  • Er/sie sollten bei der Vorstellung mit voller Blase kommen, damit als erstes eine Harnstrahlmessung ausgeführt und anschließend durch Ultraschall die Restharnmessung durch unser Pflegepersonal durchgeführt werden kann.
  • Nach der Durchsicht der Unterlagen und Beurteilung der Harnstrahlmessung mit Restharnmessung schildert der Betroffene dem Arzt die Krankheitszeichen (Symptome), wobei der unfreiwillige Harnabgang typisch ist.

zu beachten:

  • Nur mit allen erbeten Unterlagen, Voruntersuchungen und der ggf. notwendigen antibiotischen Therapierung ist es möglich den Patienten am vereinbarten Termin zu sehen. Bringt der Patient die erbetenen Unterlagen nicht mit erhält er/sie einen neuen Termin, zu dem alle erforderlichen Unterlagen mitgebracht werden sollten.
  • Bei Fragen zur Krankheitsvorgeschichte wie dem Beginn der Erkrankung ist es besonders wichtig, vorausgegangene Operationen anzugeben. Beim Mann z. B. eine Operation an der Vorsteherdrüse (Prostata), bei der Frau z.B. eine Gebärmutteroperation oder Entbindungen.
  • Eine ganz wichtige Frage ist: Wann, unter welchen Bedingungen und seit wann treten die Probleme auf? Durch orientierende Fragen verschafft sich der Arzt wichtige Informationen um zu entscheiden mit welchen Untersuchungen die Diagnose am besten eingrenzen lässt. In der Bewertung aller erhobenen Befunde wird letztlich die Behandlung mit dem Patienten erörtert und die Therapiestrategie festgelegt.

Funktionsdiagnostik

  • Miktionstagebuch
    Über 3 Tage, Trinkgewohnheiten (-menge), Wasserlassen (wann, wieviel), Inkontinenz, Schmerzen beim Miktionieren (Wasserlassen) – Speichern (die Zeit zwischen dem Wasserlassen)
  • Urinuntersuchung
  • Pad Test (Vorlagentest)
    entweder auf eine bestimmte Zeit bei bestimmten Übungen oder Urinverlust anhand der ausgewogenen Vorlagen im Miktionsprotokoll)
  • Uroflow/Pressure flow
    Harnstrahlmesssung (Wasser lassen an einem bestimmten Gerät, das den Harnfluss berechnet, ggf. ergänzt durch Ableitung der Beckenbodenmuskelaktivität mittels Klebeelektroden mit sonographischer Bestimmung des Restharns (verbliebene Urinmenge in der Harnblase nach dem Wasserlassen)
  • Ultraschalluntersuchung
    ein nichtinvasives Verfahren, das es dem Untersucher erlaubt Organe zu beurteilen, z. T. auch in der Funktion (in der Urologie besonders Nieren, Blase, Prostata, Harnröhre, Penis etc.)
  • Vaginale Einstellung
    Untersuchung der Scheide
  • Harnröhren und Blasenspiegelung, ggf. Spiegelung oder Darstellung der oberen Harnwege
    ggf. notwendig bei Nierenbeckenabgangsenge (oft angeboren aber auch Folge von Entzündungen oder früheren Operationen, Harnleiterenge, bedingt durch Narbe (Striktur) oder Tumor
  • Ausscheidungeurogramm, CT, MRT
    Radiologische Spezialuntersuchungen ggf. in der Radiologischen Abteilung zur genaueren Beurteilung der Harnorgane
  • Miktionscysturetrogramm (MCU)
    Auffüllen der Harnblase mit Kontrastmittel (keine Gefahr der Kontrastmittelallergie) zur Beurteilung der Harnblase und des Wasserlassens (Miktion), Divertikel (Blasenwandausstülpungen), Innervationsschäden
  • Laterales Zystogramm
    oftmals gleichzeitig mit dem MCU in Seitenposition aufgenommen, um die Lage der Blase im Körper zu beurteilen
  • Dynamisches MRT
    eine Spezialuntersuchung zur Beurteilung von Harnblase und Enddarm unter der simulierten Entleerung (Pressen)

(Video-) Urodynamische Untersuchung
Untersuchung um die Funktion von der Harnblase und der Harnröhre mit den dazugehörigen Verschlussmuskeln zu beurteilen. Diese Untersuchung wird herangezogen um bestimmte Symptome besser zu erklären und zu behandeln. Formen der Harninkontinenz (Belastungsinkontinenz/Dranginkontinenz und Mischformen, neurologische Erkrankungen mit Auswirkung auf die Blasenfunktion (Detrusorsphinkterdyssynergie) etc.), Harnblasenentleerungsstörungen (subvesikale Obstruktion (z.B. Prostatavergrößerung, Harnröhrenstrikturen) mit Folge der Überlaufinkontinenz, Miktionsfrequenz, Schmerzen unter Blasenfüllung und –entleerung, häufig wiederkehrende Harnwegsinfekte.
Durch diese Untersuchung erhält der Ärztin/Arzt wichtige Informationen für mögliche Behandlungen aber auch um Behandlungen in ihrer Effektivität zu überprüfen.
Die Urodynamik dauert je nach Ausführlichkeit und zusätzlichen Tests bis zu einer Stunde und kann folgendes beinhalten:

Über einen dünnen Katheter (Schlauch) werden Daten aus der Blase und der Harnröhre aufgenommen. Diese dient dazu die Blase „zeitgerafft“ aufzufüllen um die Blasenfüllung zu simulieren und Veränderungen hierunter zu provozieren um sie dann behandeln zu können. Zusätzlich werden Elektroden auf die Haut geklebt zur Registrierung der Muskelaktivität, sowie  ein dünner Schlauch zur Messung im Enddarm zur Registrierung des Bauchdrucks. Alle Daten werden an einen Computer geleitet und gespeichert, um später ausgewertet zu werden. Ggf. wird gleichzeitig geröntgt um die Messdaten durch Bilder verständlich zu machen Dan spricht man von einer Videourodynamik. (Blasendarstellung bei Füllung und beim Wasserlassen, wichtig auch zum Ausschluss der Reflux (Zurückfließen des Urins in die Harnleiter (Verbindung zwischen Blase und Nieren). Wird dann der Katheter in aus der Harnröhre herausgezogen und diese Daten auch registriert sowie unter wiederholtem z.B. Husten spricht man von einem Ruhe- und Belastungsprofiel. Dieses Dient zur Untersuchung einer möglichen Belastungsinkontinenz. Bei neurologischen Erkrankungen kann eine Erweiterung der Untersuchung notwendig sein.

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