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Radikale Prostatektomie


Die da Vinci Prostatektomie

Wie funktioniert das da Vinci Operationssystem?

Das in den USA entwickelte da Vinci® Operationssystem ist das modernste für die minimalinvasive Chirurgie. Im Gegensatz zur konventionellen Laparoskopie überträgt die da Vinci® Kamera ein räumliches Bild und garantiert dem Arzt eine optimale Sichtkontrolle der nur wenige Millimeter großen Instrumente im Operationsfeld.

Die Operationseinheit besteht aus drei Komponenten:

  • Die Steuerkonsole, an welcher der Operateur arbeitet
  • Die patientenseitige Robotikeinheit
  • Der Videoturm für die Steuerung der 3-dimensionalen Kamera und der Lichttechnik

Die Steuerkonsole ist das Kernstück des da Vinci® Operationssystems. Hier erhält der Operateur das räumliche 3-dimensionale Bild des Operiationsfeldes und steuert die Bedienelemente, welche exakt seine Handbewegungen an die Robotikeinheit weitergeben. Unruhige oder ruckartige Bewegungen werden hierbei durch das System ausgeglichen.

An den Armen der Robotikeinheit befinden sich zum einen die mikrochirurgischen Instrumente mit welchen im Körper operiert wird, als auch die Kameraeinheit, die das 3-dimensionale Bild an die Konsole liefert. Die Robotikeinheit ist somit ein mehrarmiger Operationsassistent welcher dem Operateur einen genauen Überblick über das Operationsfeld gibt und die angegebenen Bewegungen direkt umsetzt.

Wichtig: Die Robotikeinheit führt keine selbstständigen Aktionen aus, sie setzt lediglich exakt die vom Operateur an der Konsole vorgegebenen Bewegungen im Körper des Patienten um!

Welche Vorteile bietet die da Vinci Operation dem Patient?

Als Patient haben Sie folgende Vorteile von der roboter-assistierten da Vinci® Operation:

Mit der Technologie des da Vinci® Operationssystems lassen sich die Vorteile der offenen Operation mit den Vorteilen der herkömmlichen Laparoskopie verbinden.

Die Vorteile der da Vinci Operation im Überblick:

  • minimale Operationsnarben
  • geringer Blutverlust
  • geringer Schmerzmittelbedarf
  • schnelle Erholung
  • kurzer Krankenhausaufenthalt
  • schnelle Wiederherstellung der Kontinenz
  • bessere Möglichkeiten der Rekonstruktion von Potenznerven
Die Vorteile für den operierenden Arzt

Auch dem operierenden Arzt bietet das da Vinci Operationssystem Vorteile gegenüber einer offenen oder minimal-invasiven Operation:

  • Durch die bis zu 10-fache Vergrößerung lassen sich Nerven und Gewebestrukturen deutlich besser erkennen und somit bei der Präparation präziser schonen.
  • Durch die Möglichkeit die Handbewegungen des Operateurs unterschiedlich zu untersetzen, können delikate Strukturen exakt präpariert werden. Bei der konventionellen Laparoskopie werden die Bewegungen direkt, also im Verhältnis 1:1 umgesetzt. Mit dem da Vinci® Operationssystem werden große Handbewegungen in kleine Instrumentenbewegungen umgesetzt.
  • Ermüdungsfreies Arbeiten durch die ergonomische Arbeitsposition.
Der Ablauf einer da Vinci Prostatektomie

Die Lagerung des Patienten:

Der Patient wird in der sogenannten Trendelenburg-Lagerung mit gespreizten Beinen abgesenkt gelagert. Durch diese leichte Schräglage werden die im Bauch liegenden Organe in Kopfrichtung verlagert, um dem Operateur während der da Vinci® Prostatektomie mehr Platz im Beckenbereich zu geben.

Vorbereitung und Positionierung der patientenseitigen Robotikeinheit:

Nach der Lagerung wird dem Patient ein Blasenkatheter gelegt. Es folgen fünf kleine Schnitte (6-11mm), welche halbkreisförmig um den Bauchnabel angeordnet werden. Durch diese Schnitte werden die sogenannten Trokare (Zugangswege) eingebracht.
Drei der insgesamt fünf Zugangswege leiten die mikrochirurgischen Instrumente der Robotikeinheit sowie die 3-dimensionale Kamera ins Operationsfeld. Die zwei zusätzlichen Zugangswege sind für den assistierenden Arzt vorgesehen, welcher direkt am Operationstisch sitzt.
Nach Positionierung der Trokare kann nun die patientenseitige Robotikeinheit angebracht werden. Der Bauchraum wird mit medizinischem CO 2 -Gas unter leichtem Druck befüllt um den Arbeitsraum zu vergrößern.

Beginn der da Vinci® Prostatektomie:

Zu Beginn der da Vinci® Prostatektomie wird der Bauchraum nach Verklebungen untersucht, welche die da Vinci® Operation behindern könnten. Nun wird das vordere Bauchfell von der Bauchwand abgelöst um in das kleine Becken zu gelangen. Bei unauffälligen Verhältnissen werden als erstes die Lymphknoten im Bereich des kleinen Beckens vorsichtig entfernt. Diese werden nach der Operation mit der Prostata zur feingeweblichen Untersuchung geschickt. Hierdurch werden wichtige Informationen zur Ausbreitung und Prognose der Erkrankung gewonnen.

Die Prostata ist umgeben von Bindegewebe, Muskelfasern und Blutgefäßen. Deshalb muss die Prostata erst einmal von diesen freigelegt werden. Mittels des zuvor eingelegten Blasenkatheters wird der Übergang von der Prostata zur Blase identifiziert. An diesem Übergang erfolgt die vorsichtige Trennung der Prostata von der Blase. Im nächsten Schritt werden die hinter der Blase liegenden Samenblasen und die Samenleiter gelöst. Durch die direkte Nachbarschaft des Enddarms zur Prostata ist es wichtig, unter guter Sicht beide vorsichtig voneinander zu lösen. Wenn eine Erhaltung der Erektionsnerven vor der Operation besprochen wurde, werden diese im weiteren Schritt sorgfältig von der Seitenfläche der Prostata freipräpariert.

Hierbei hilft das da Vinci® Operationssystem dem Operateur durch die Vergrößerung und das 3-dimensionale Bild erheblich, die feinen Nerven gut zu erkennen und somit präzise zu lösen. Um die Prostata nun gänzlich entfernen zu können muss als letzter Schritt noch die Harnröhre durchtrennt werden. Hierbei muss darauf geachtet werden, dass der äußere Schließmuskel nicht verletzt wird, um die Kontinenz zu erhalten.

Nun ist die Prostata komplett abgelöst und wird in einem sogenannten Bergebeutel verbracht. Dieser wird erst am Ende der Operation aus dem Körper entfernt.
In einigen Fällen werden an den Schnitträndern noch mehrere Schnellschnitte zur feingeweblichen Untersuchung entnommen, um zu prüfen, ob auch hier keine Tumorzellen mehr enthalten sind und somit die Umgebung der Prostata tumorfrei ist.
Nach erneuter Kontrolle des Schließmuskels wird die Harnblase durch eine Naht wieder mit der Harnröhre verbunden. Abschließend wird die Blase durch den Katheter mit circa 200 ml medizinischer Kochsalzlösung gefüllt um die Dichtigkeit der Naht zu überprüfen. Ist die Naht dicht, wird auf Bluttrockenheit kontrolliert, dabei wird der CO2-Druck im Bauchraum langsam reduziert.

Nun kann das da Vinci® Operationssystem vom Patienten abgekoppelt werden, der Bergebeutel mit dem Operationspräparat wird durch eine Erweiterung des Bauchnabelschnittes geborgen. Nach Entfernen der Trokare werden die kleinen Schnitte mit selbstauflösendem Faden genäht. Es folgt noch ein steriler Wundverband, in der Regel ist keine Wunddrainage erforderlich.

Die Nachbehandlung der da Vinci® Prostatektomie:

In der Regel wird fünf Tage nach der da Vinci® Prostatektomie die Verbindungsstelle zwischen Blase und Harnröhre durch eine Röntgenuntersuchung mit Kontrastmittel auf ihre Dichtigkeit überprüft und der Dauerkatheter entfernt. Am Folgetag wird der Patient bei unauffälligem Verlauf entlassen.

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