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Klinische Untersuchung

Digital-rektale Untersuchung (DRU)

Die digital-rektale Untersuchung wird bei Patienten ab dem 45. Lebensjahr einmal jährlich empfohlen. Die Untersuchung ist Bestandteil des Leistungskataloges der gesetzlichen KV in Deutschland. Eine auffällige DRU ist der zweithäufigste Untersuchungsbefund der eine Prostatastanzbiopsie zum Ausschluss eines Malignoms der Prostata zur Folge hat (der häufigste Grund ist ein erhöhter PSA Serumwert). Die Sensitivität der digital rektalen Untersuchung ist eingeschränkt und liegt deutlich unter 40%.

Die digital rektale Untersuchung dient dazu, die Konsistenz, Form und Größe der Prostata zu beurteilen. Darüber hinaus sollte immer die Verschieblichkeit der Schleimhaut des Rektums evaluiert werden. Ein tumorsuspekter Befund (knotige, nicht druckdolente Verhärtung) sollte immer durch eine transrektal-sonographisch gesteuerte Biopsie der Prostata überprüft werden. Allerdings können Tumoren erst ab einem Tumorvolumen ca. 0,2ml durch eine DRU erkannt werden. Diese DRU als wichtige Säule der Früherkennung ist nicht unumstritten. Die Sensitivität ist sehr stark von der Erfahrung des Untersuchers abhängig ist und nur die rektumnahe periphere Zone der Prostata wird durch die Palpation erfasst. Weiters sind mehr als zwei Drittel aller palpatorisch diagnostizierten Prostatakarzinome bereits in extraprostatisches Gewebe eingewachsen.

Folglich kann man diese Untersuchungsform alleine nicht als ausreichende diagnostische Maßnahme zur Früherkennung eines Prostatakarzinoms werten. Sie bleibt jedoch ein wesentlicher Bestandteil der Früherkennung und Diagnostik des Prostatakarzinoms. Bei positiver DRU kann in ca. 30% ein Karzinom in der Stanzbiopsie nachgewiesen werden.

Serummarker: PSA (Prostata-spezifisches-Antigen)

PSA (Prostata-spezifisches-Antigen)

Beim prostataspezifischen Antigen handelt es sich um den wichtigsten Laborparameter im Zusammenhang mit der Prostatakarzinomdiagnostik. Das PSA ist kein karzinomspezifisches- sondern lediglich prostataspezifisches Protein. Ein erhöhter PSA-Wert ist also nicht zwangsläufig mit einem Prostatakarzinom verbunden sondern kann auch bei entzündlichen Prozessen innerhalb des Prostataparenchyms sowie bei einer BPH erhöht sein. Auch die Manipulation an der Prostata durch Dauerkathetereinlage, die digital-rektale Untersuchung, die Stanzbiopsie, TUR-Eingriffe oder ein intensives Sexualleben können zu erhöhten PSA Werten führen. Falsch negative PSA-Werte können beispielsweise durch 5-alpha Reduktasehemmer entstehen.

Die Wahrscheinlichkeit an einem Prostatakarzinom erkrankt zu sein, steigt mit steigender PSA-Konzentration im Blut zu. Zu berücksichtigen ist bei der Interpretation des PSA Wertes jedoch auch die Altersabhängigkeit der Serumkonzentration. Deshalb wurde eine altersspezifische Einteilung der PSA-Normwerte durchgeführt.

Altersabhängige Normwerte PSA (ng/ml)
40-49 0,0-2,5
50-59 0,0-3,5
60-69 0,0-4,5
70-79 0,0-6,5

Die Wertigkeit des PSA Testes ist unter anderem wegen der hohen Rate von sowohl falsch negativen als auch falsch positiven Tests umstritten. Bei Patienten mit einem PSA zwischen 2,6 und 4ng/ml kann ein Postatakarzinom in 22% der Fälle bei unauffälliger DRU nachgewiesen werden. Auf der anderen Seite haben Studien zeigen können, dass der positive prädiktive Wert eines PSA Wertes zwischen 4 und 10 ng/ml nur bei 12 % bis 32% liegt. Bei ca. 75% liegt somit ein falsch positiver Test vor. Dies führt zu einer erheblichen Anzahl an unnötig durchgeführten Prostatastanzbiopsien.
PSA-Werte über 10ng/ml hingegen ergaben in jeder zweiten Stanzbiopsie ein Prostatakarzinom, weshalb vor allem in diesem Referenzbereich die Stanzbiopsie zu empfehlen ist. Trotz des hohen PSA Wertes liegt bei ca. 25% dieser Patienten ein noch auf die Prostata begrenzter Tumor vor.

Neben dem absoluten PSA Wert kann die PSA Anstiegsgeschwindigkeit bzw. Verdopplungsgeschwindigkeit zur Risikoabschätzung für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms herangezogen werden. Eine relativ hohe Sensitivität (75%) bzw. Spezifität (95%) für das Vorliegen eines Prostatakarzinoms wurde bei einem Grenzwert von 0,75ng/ml/Jahr (PSA-Velocity) festgestellt.

PSA liegt in freier (fPSA) und gebundener Form (komplexiert an Chymotrypsin und Makroglobulin). Der Quotient freies PSA / gebundenes PSA ist ein weiterer Parameter, der zur Früherkennung des Prostatakarzinoms verwendet wird. Beim Prostatakarzinom ist eben der Anteil des freien PSA im Blut geringer als der an Proteasen gebundene Anteil. In einer prospektiv randomisierten Studie wurde in der Stanzbiopsie bei 56% der Männer mit einem Quotienten <10% ein Prostatakarzinom entdeckt, während in der Gruppe mit einem Quotienten >10% bei nur 8 % ein Prostatakarzinom nachgewiesen wurde.

Auf die o.g. Referenzbereich zw. >4und 10ng/ml bezogen, kommt es unter Miteinbeziehung des Verhältnisses zu einer Reduktion der unnötigen Biopsien um 20%. Auch im Referenzbereich von 2,6-4ng/ml kann eine Reduktion der nicht nötigen Biopsien unter Einbeziehung des Verhältnisses freies PSA/gebundenem PSA um 18% gesenkt werden.
Inwieweit ein populationsweites PSA Screening die Prostatakarzinombedingte Mortalität reduzieren kann, wurde in zwei großen randomisiert prospektiven klinischen Studien untersucht: Die PLCO Studie (Prostate, Lung, Colorectal and Ovarian Cancer Screening Trial) wurden 76,693 Männer in den USA randomisiert entweder jährlich eine DRU und eine PSA Messung zu erhalten, oder den aktuell angewandten Standard.

Nach 13 Jahren Follow-up zeigte sich kein signifikanter Unterschied in der PC bedingten Mortalität zwischen den beiden Gruppen. Im Gegensatz hierzu zeigte sich in der europäischen ERSPC (European Randomized Study of Screening for Prostate Cancer) Studie, für die 182,160 Männer zwischen 50 und 74 randomisiert wurden (PSA Messung alle 4 Jahre vs. kein routinemäßiges PSA Screening) eine signifikante Reduktion des Risikos, an einem PC zu versterben (Risikoreduktion 21%). Um einen PC-bedingten Todesfall zu verhindern, mussten 1055 Männer zum Screening eingeladen werden und 37 Männer wegen eines Prostatakarzinoms behandelt werden. Auf sieben verhinderte Prostatakarzinom Todesfälle kommen 340 Überbehandlungen bzw. auf einen verhinderten Todesfall kommen 48 Überbehandlungen.

Aufgrund der zum Teil widersprüchlichen Ergebnisse über den Nutzen eines populationsweiten PSA Screenings hat sich die Preventive Task force der USA 2012 gegen ein PSA Screening ausgesprochen.

Urinmarker: PCA-3 (Prostate Cancer Gene-3)

PCA-3 (Prostate Cancer Gene-3)

Neben den bereits seit längerer Zeit etablierten oben beschriebenen Methoden der Prostataabklärung, wurde in den letzten 14 Jahren nach weiteren diagnostischen Markern geforscht mit denen man die Nachweis-Wahrscheinlichkeit des Vorhandenseins eines Prostatakarzinom erhöhen kann, um selektiver Stanzbiopsien durchführen zu können. 1999 wurde erstmals beschrieben, dass das „prostate cancer gene 3“ alleine in Prostatakarzinomzellen exprimiert wird, nicht jedoch in benignen Prostatazellen oder anderen Geweben. Einige Jahre später konnte eine Methode entwickelt werden mit welcher PCA3 im Urin nachgewiesen werden und damit gleichzeitig eine hohe Spezifität (zwischen 80 und 90%, je nach Cut-off) für das Vorhandensein eines Prostatakarzinoms korreliert werden konnte.

Im Gegensatz zum PSA lässt das PCA3 einen direkten Zusammenhang mit dem Tumorvolumen sowie dem histologischen Subtyp erkennen. Der PCA3-Test ist vor allem bei Patienten mit einem erhöhtem PSA und einer bereits negativen Stanzbiopsie als zusätzliches Tool für den Nachweis eines Karzinoms zu werten und erleichtert dem Urologen die Entscheidung zur Rebiopsie oder Verlaufskontrolle. Ein hoher PCA3-Wert ist signifikant mit einer höheren Wahrscheinlichkeit verbunden bei einer Rebiopsie ein Karzinom zu entdecken.

Als Screeningmethode ist das PSA besser geeignet als PCA3 jedoch zeigt letzterer eine deutlich höhere Spezifität (90%) und ist vor allem bei Patienten einzusetzen welche nach negativer erster Stanzbiopsie weiterhin einen erhöhten PSA-Wert aufweisen und entschieden werden muss ob unmittelbar eine weitere Stanzbiopsie nachfolgen soll.
Trotz dieser viel versprechenden Ergebnisse, kann der PCA3-Test die Serumbestimmung des PSA nicht ersetzen und sollte nur in ausgewählten Fällen verwendet werden.

Bildgebende Verfahren

TRUS gezielte Prostatastanzbiopsie

Die Gewinnung einer repräsentativen Prostatastanze zum histologischen und definitiven Nachweis eines Prostatakarzinoms ist alleine durch die ultraschall-gezielte Stanzbiopsie möglich. Hierbei sollte eine systematische Gewebegewinnung aus dem Apex, der Mitte sowie der Prostatabasis aus jeweils beiden Prostatalappen erfolgen. Insgesamt wird empfohlen 10-mind. 12 Stanzen zu gewinnen, wobei jede Stanze zumindest 1cm lang sein sollte. Der Eingriff selbst wird ambulant durchgeführt, eine antibiotische Abdeckung (Gyrasehemmer) muss bereits einen Tag vor der Intervention eingenommen und für weitere 3 Tage fortgeführt werden. Eine Saturationsbiopsie wird dann durchgeführt wenn nach einmaliger bzw. max. 2-maliger Stanzbiopsie kein Karzinom nachgewiesen wurde, jedoch der PSA weiterhin hoch bleibt oder weiter steigt. Hierbei werden 20-30 Stanzen gewonnen und in 30-43% der zuvor als tumorfrei diagnostizierten Patienten kann schließlich ein Prostatakarzinom nachgewiesen werden.
Als aufklärungspflichtige Komplikationen sind postinterventionelle Blutungen sowie Prostatitiden zu nennen, welche jedoch beim erfahrenen Operateur in weniger als 1% vorkommen.

MRT- Diagnostik und MRT-gesteuerte Prostatabiopsie

Wenn ein erhöhter PSA-Wert vorliegt und damit nach Ausschluss anderer Ursachen für seine pathologisch Erhöhung wie Entzündungen der Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms besteht, ist der folgende Schritt die Prostata-Biopsie, da nur eine feingewebliche Untersuchung eine sichere Aussage hinsichtlich der Beschaffenheit eines Gewebes treffen kann. Bei einem Teil der Patienten wird jedoch kein auffälliges Gewebe mittels der ultraschallgesteuerten Biopsie gewonnen und trotzdem besteht weiterhin der Verdacht auf ein Prostatakarzinoms. Die Durchführung einer diagnostischen MRT kann dort weitere Informationen geben. Die MRT ist die sensitivste Methode zur morphologischen Darstellung der Prostata und zur Detektion (dem Auffinden) eines Prostakarzinoms. Sollte die diagnostische Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata einen auffälligen Befund gezeigt, welcher bioptisch (mit einer Probeentnahme) gesichert werden sollte, um zu klären ob es sich dabei um eine bösartige Erkrankung (Prostatakrebs) oder eine gutartige mitunter entzündliche Veränderung der Prostata handelt, bietet sich die Möglichkeit der gezielten MRT-gesteuerten Prostatabiopsie, denn mittels Ultraschallverfahren können diese Befunde nicht gesehen und damit auch nicht gezielt biopsiert werden.

Hier stehen Ihnen an der Universitätsklinik Tübingen zwei hochqualitative Biopsieverfahren zur Verfügung:

  • Direkte MRT-gesteuerte Prostatabiopsie (im Kernspintomographen)
  • Roboter-gesteuerte (Biobot™) mit Ultraschall/MRT-Fusion

MR-gesteuerte Prostatabiopsie

Sollte die diagnostische Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata einen auffälligen Befund gezeigt, welcher bioptisch (mit einer Probeentnahme) gesichert werden sollte, um zu klären ob es sich dabei um eine bösartige Erkrankung (Prostatakrebs) oder eine gutartige mitunter entzündliche Veränderung der Prostata handelt, bietet sich die Möglichkeit der gezielten MRT-gesteuerten Prostatabiopsie, denn mittels Ultraschallverfahren können diese Befunde nicht gesehen und damit auch nicht gezielt biopsiert werden. Für diese Technik ist gegenüber einer Sättigungsbiopsie (dabei werden bis zu über 40 Biopsien entnommen) keine Narkose nötig und es werden gegenüber der herkömmlichen Ultraschallbiopsie nur 2-4 Stanzylinder entnommen, was für den Patienten wesentlich angenehmer und schmerzfreier ist. Das Ziel dieser Technik ist die gezielte, hochpräzise Probenentnahme. Basierend auf der jahrelangen Erfahrung und interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Urologie und Radiologie kann die Biopsie in einem Zeitfenster von ca. 25 Minuten (Einstellen des Biopsiesystems auf den verdächtigen Befund sowie gezielte Probenentnahme) stattfinden. Wir führen die Biopsie bei einer Magnetfeldstärke von 3 Tesla ohne endorektale Spule durch, da wir das diagnostische Bildmaterial parallel zur Verfügung haben. Unmittelbar vor Beginn der Untersuchung wird durch den langjährig biopsieerfahrenen Arzt im Enddarm eine kleine Führungshülse positioniert. Das verdächtige Areal wird mittels der Führungshülse durch den Enddarm angesteuert. Lagekorrekturen der Führungshülse werden jeweils nach schnellen MRT-Messungen durchgeführt. Nach optimaler Positionierung der Führungshülse auf das verdächtige Areal wird die Biopsienadel eingeführt und die meist schmerzlose Stanzbiopsie durchgeführt. Die Prostatabiopsie erfolgt also wie die herkömmliche ultraschallgesteuerte Biopsie durch den Darm und erspart einen langen Zugangsweg über den Damm, welcher zudem meist schmerzhaft ist und aufwendig lokal betäubt werden muss oder gar eine Narkose bzw. Spinalanästhesie des Patienten erfordert.

Wer kann untersucht werden? Was ist vor der Untersuchung zu beachten?

Generell können keine MRT-Untersuchungen oder -Biopsien bei Patienten mit Herzschrittmachern durchgeführt werden. Ist bei Ihnen eine künstliche Herzklappe, eine Innenohrprothese oder ein künstliches Hüftgelenk implantiert worden, muss vor der Untersuchung durch den Radiologen geklärt werden, ob diese MR-kompatibel (MR-tauglich) sind. Dazu benötigen wir Ihren Implantatausweis; bringen Sie diesen bitte zu Ihrem Untersuchungstermin mit!

MRT-Untersuchung

Die eigentliche Untersuchung inklusive Biopsie dauert ca. 20-40 Minuten.

Bei Platzangst (Klaustrophobie) kann Ihnen das Beruhigungsmittel Lorazepam (z.B. Tavor® s.l.) ca. 30 Minuten vor der Untersuchung verabreicht werden. Als Nebenwirkung auf dieses Medikament verspüren Sie im Folgenden eine Müdigkeit und Ihre allgemeine Reaktionszeit verlangsamt sich deutlich, so dass Sie nach der Untersuchung für den Rest des Tages nicht mehr Auto fahren bzw. nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und sich abholen lassen müssen.

Die MRT-gesteuerte Biopsie der Prostata wird in unserer Klinik in urologisch-radiologischer Kooperation durchgeführt. Durch unsere langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der MRT-gesteuerten Prostatabiopsie sind Komplikationen einer Biopsie, wie Entzündungen und Blutungen minimiert.

Die Biopsie der Prostata ist zurzeit keine Kassenleistung.

Welche Vorteile hat die MRT -gesteuerte Prostata-Biopsie:

  • Vermeidung einer Narkose und der damit einhergehenden Risiken
  • Biopsie erfolgt nicht „blind“, sondern gezielt
  • Minimiertes Entzündungsrisiko
  • Minimiertes Blutungsrisiko
  • Diagnoseklarheit für den Patienten nach einer Sitzung
Transrektale Prostatastanzbiopsie (TRUS und MRT)

TRUS gezielte Prostatastanzbiopsie

Die Gewinnung einer repräsentativen Prostatastanze zum histologischen und definitiven Nachweis eines Prostatakarzinoms ist alleine durch die ultraschall-gezielte Stanzbiopsie möglich. Hierbei sollte eine systematische Gewebegewinnung aus dem Apex, der Mitte sowie der Prostatabasis aus jeweils beiden Prostatalappen erfolgen. Insgesamt wird empfohlen 10-mind. 12 Stanzen zu gewinnen, wobei jede Stanze zumindest 1cm lang sein sollte. Der Eingriff selbst wird ambulant durchgeführt, eine antibiotische Abdeckung (Gyrasehemmer) muss bereits einen Tag vor der Intervention eingenommen und für weitere 3 Tage fortgeführt werden. Eine Saturationsbiopsie wird dann durchgeführt wenn nach einmaliger bzw. max. 2-maliger Stanzbiopsie kein Karzinom nachgewiesen wurde, jedoch der PSA weiterhin hoch bleibt oder weiter steigt. Hierbei werden 20-30 Stanzen gewonnen und in 30-43% der zuvor als tumorfrei diagnostizierten Patienten kann schließlich ein Prostatakarzinom nachgewiesen werden.
Als aufklärungspflichtige Komplikationen sind postinterventionelle Blutungen sowie Prostatitiden zu nennen, welche jedoch beim erfahrenen Operateur in weniger als 1% vorkommen.

MRT- Diagnostik und MRT-gesteuerte Prostatabiopsie

Wenn ein erhöhter PSA-Wert vorliegt und damit nach Ausschluss anderer Ursachen für seine pathologisch Erhöhung wie Entzündungen der Verdacht auf das Vorliegen eines Prostatakarzinoms besteht, ist der folgende Schritt die Prostata-Biopsie, da nur eine feingewebliche Untersuchung eine sichere Aussage hinsichtlich der Beschaffenheit eines Gewebes treffen kann. Bei einem Teil der Patienten wird jedoch kein auffälliges Gewebe mittels der ultraschallgesteuerten Biopsie gewonnen und trotzdem besteht weiterhin der Verdacht auf ein Prostatakarzinoms. Die Durchführung einer diagnostischen MRT kann dort weitere Informationen geben. Die MRT ist die sensitivste Methode zur morphologischen Darstellung der Prostata und zur Detektion (dem Auffinden) eines Prostakarzinoms. Sollte die diagnostische Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata einen auffälligen Befund gezeigt, welcher bioptisch (mit einer Probeentnahme) gesichert werden sollte, um zu klären ob es sich dabei um eine bösartige Erkrankung (Prostatakrebs) oder eine gutartige mitunter entzündliche Veränderung der Prostata handelt, bietet sich die Möglichkeit der gezielten MRT-gesteuerten Prostatabiopsie, denn mittels Ultraschallverfahren können diese Befunde nicht gesehen und damit auch nicht gezielt biopsiert werden.

Hier stehen Ihnen an der Universitätsklinik Tübingen zwei hochqualitative Biopsieverfahren zur Verfügung:

  • Direkte MRT-gesteuerte Prostatabiopsie (im Kernspintomographen)
  • Roboter-gesteuerte (Biobot™) mit Ultraschall/MRT-Fusion

MR-gesteuerte Prostatabiopsie

Sollte die diagnostische Magnetresonanztomographie (MRT) der Prostata einen auffälligen Befund gezeigt, welcher bioptisch (mit einer Probeentnahme) gesichert werden sollte, um zu klären ob es sich dabei um eine bösartige Erkrankung (Prostatakrebs) oder eine gutartige mitunter entzündliche Veränderung der Prostata handelt, bietet sich die Möglichkeit der gezielten MRT-gesteuerten Prostatabiopsie, denn mittels Ultraschallverfahren können diese Befunde nicht gesehen und damit auch nicht gezielt biopsiert werden. Für diese Technik ist gegenüber einer Sättigungsbiopsie (dabei werden bis zu über 40 Biopsien entnommen) keine Narkose nötig und es werden gegenüber der herkömmlichen Ultraschallbiopsie nur 2-4 Stanzylinder entnommen, was für den Patienten wesentlich angenehmer und schmerzfreier ist. Das Ziel dieser Technik ist die gezielte, hochpräzise Probenentnahme. Basierend auf der jahrelangen Erfahrung und interdisziplinären Zusammenarbeit zwischen Urologie und Radiologie kann die Biopsie in einem Zeitfenster von ca. 25 Minuten (Einstellen des Biopsiesystems auf den verdächtigen Befund sowie gezielte Probenentnahme) stattfinden. Wir führen die Biopsie bei einer Magnetfeldstärke von 3 Tesla ohne endorektale Spule durch, da wir das diagnostische Bildmaterial parallel zur Verfügung haben. Unmittelbar vor Beginn der Untersuchung wird durch den langjährig biopsieerfahrenen Arzt im Enddarm eine kleine Führungshülse positioniert. Das verdächtige Areal wird mittels der Führungshülse durch den Enddarm angesteuert. Lagekorrekturen der Führungshülse werden jeweils nach schnellen MRT-Messungen durchgeführt. Nach optimaler Positionierung der Führungshülse auf das verdächtige Areal wird die Biopsienadel eingeführt und die meist schmerzlose Stanzbiopsie durchgeführt. Die Prostatabiopsie erfolgt also wie die herkömmliche ultraschallgesteuerte Biopsie durch den Darm und erspart einen langen Zugangsweg über den Damm, welcher zudem meist schmerzhaft ist und aufwendig lokal betäubt werden muss oder gar eine Narkose bzw. Spinalanästhesie des Patienten erfordert.

Wer kann untersucht werden? Was ist vor der Untersuchung zu beachten?

Generell können keine MRT-Untersuchungen oder -Biopsien bei Patienten mit Herzschrittmachern durchgeführt werden. Ist bei Ihnen eine künstliche Herzklappe, eine Innenohrprothese oder ein künstliches Hüftgelenk implantiert worden, muss vor der Untersuchung durch den Radiologen geklärt werden, ob diese MR-kompatibel (MR-tauglich) sind. Dazu benötigen wir Ihren Implantatausweis; bringen Sie diesen bitte zu Ihrem Untersuchungstermin mit!

MRT-Untersuchung

Die eigentliche Untersuchung inklusive Biopsie dauert ca. 20-40 Minuten.

Bei Platzangst (Klaustrophobie) kann Ihnen das Beruhigungsmittel Lorazepam (z.B. Tavor® s.l.) ca. 30 Minuten vor der Untersuchung verabreicht werden. Als Nebenwirkung auf dieses Medikament verspüren Sie im Folgenden eine Müdigkeit und Ihre allgemeine Reaktionszeit verlangsamt sich deutlich, so dass Sie nach der Untersuchung für den Rest des Tages nicht mehr Auto fahren bzw. nicht aktiv am Straßenverkehr teilnehmen dürfen und sich abholen lassen müssen.

Die MRT-gesteuerte Biopsie der Prostata wird in unserer Klinik in urologisch-radiologischer Kooperation durchgeführt. Durch unsere langjährige Erfahrung auf dem Gebiet der MRT-gesteuerten Prostatabiopsie sind Komplikationen einer Biopsie, wie Entzündungen und Blutungen minimiert.

Die Biopsie der Prostata ist zurzeit keine Kassenleistung.

Welche Vorteile hat die MRT -gesteuerte Prostata-Biopsie:

  • Vermeidung einer Narkose und der damit einhergehenden Risiken
  • Biopsie erfolgt nicht „blind“, sondern gezielt
  • Minimiertes Entzündungsrisiko
  • Minimiertes Blutungsrisiko
  • Diagnoseklarheit für den Patienten nach einer Sitzung
Roboterassistierte Prostatastanzbiopsie (Biobot)

Roboter-gesteuerte MRT-Ultraschallbiopsie (Biobot)

Mit Hilfe des roboterbasierten Navigationssystems können malignomsuspekte Prostataareale, die zuvor anhand von hochauflösenden Untersuchungstechniken diagnostiziert wurden gezielt biopsiert werden. Alle Bilddaten der tumor-verdächtigen Areale werden hierzu zuvor am Biopsiesystem eingelesen, markiert und dann in die Bildverarbeitung der hochauflösenden roboter-gesteuerten Ultraschallbiopsieeinheit (bioBot®) zur Punktionsplanung in die laufende Ultraschalluntersuchung integriert.

Auf diese Weise stehen diese Navigationsdaten dem Biopsieroboter für die Biopsie in Echtzeit und in anatomischer Übereinstimmung zur Verfügung (ultrapräzise MRT-gestützte Navigation). Im ersten Schritt erfolgt nun die 3D Rekonstruktion des MR-Datensatzes und die Rekonstruktion der malignitätsverdächtigen Läsionen. Dazu wird der digitale Datensatz einer zuvor durchgeführten MRT der Prostata in das Ultraschallgerät eingeladen. Anhand der MRT werden anatomische Referenzpunkte markiert.

Dieses System verfügt über einen robotik-gestützten Positionierungsmechanismus, die Navigation erfolgt durch eine rektal eingeführte Schutzhülle, in der sich der Ultraschallkopf frei bewegen kann ohne die Prostata zur verformen. Das ganze System wird steril abgedeckt.Nun erfolgt die Fusion des TRUS und MR Datensatzes. Bei der MRT-TRUS-Bildfusion werden die Vorteile beider Verfahren kombiniert: Die dynamische Zielführung durch den Ultraschall wird somit durch die hohe diagnostische Genauigkeit der MRT ergänzt. Zur Reduktion der Nadelabweichung durch den Schrägschliff der Biopsie-Kanüle verwenden wir einen speziellen Nadelschliff. Der Biopsie-Erfolg wird über den Bildschirm anhand des Sonographiebildes kontrolliert Die Entnahme der Biopsien erfolgt komplett steril über einen perinealen Zugang. Europaweit wird jährlich schätzungsweise 1 Mio. Prostatastanzbiopsien durchgeführt.

In den letzten Jahren fand sich jedoch eine zunehmende Rate an infektiösen Komplikationen nach transrektaler Prostatastanzbiopsie, deren Ursache hauptsächlich fluorchinolonresistente fäkale Bakterien sind. So stieg die Rate an infektiösen Komplikationen   von 1% im Jahr 1996 auf 4,1% im Jahr 2005. Diese Entwicklung sensibilisiert für neue technische Konzepte. Auch durch die nur maximal 2 kleinsten Biopsiepunktionstellen wird das Gewebetrauma und Infekt Risiko minimiert. Darüber hinaus erfasst das System exakt den Entnahmeort jeder einzelnen Gewebeprobe in allen drei Dimensionen entsprechend einer stereotaktischen Biopsie. So kann im Anschluss an die Biopsie jedem Karzinombefund sein exakter Ort und seine Aggressivität zugeordnet werden, was wiederum die wichtigste Voraussetzung für die Planung aktueller, als auch zukünftiger fokaler Therapiekonzepte bildet.

Informationsflyer Prostatabiopsie biobot zum herunterladen

Prostatabiopsie - biobot Flyer (1,8 MiB)
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