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Neue Immuntherapeutika bei Nierenzellkarzinom

EAU-Kongress 2015 in Madrid

Im Rahmen des EAU-Kongresses 2015 in Madrid referierte Prof. Jens Bedke aus Tübingen über aktuelle Entwicklungen der Immuntherapie des Nierenzellkarzinoms mithilfe sogenannter Immunmodulatoren bzw. Checkpoint­Inhibitoren. Diese neuen Immuntherapeutika bewirken ein verlängertes Gesamtüberleben bei Nierenkrebspatienten. UroForum fasst die wichtigsten Aussagen seines State-of-the-art-Vortrags zusammen.

Es gibt zwei Ziele der Immuntherapie bei Nierenkrebs: die spezifische Aktivierung der T-Zellen und eine Verstärkung der Immun-Antworten. In den vergangenen Jahren, so Bedke, kamen neuartige zielgerichtete Medikamente auf den Markt, welche die Behandlung des metastasierten Nierenzellkarzinoms stark verändert haben. "Diese zielgerichtete Therapie nutzt einmal die Signal-Kaskaden des Mammalian Target of Rapamycine (mTOR) und zum anderen den Pfad des vaskulären endothelialen Wachstumsfaktors VEGF", so Bedke. Trotz dieser Vielzahl neuer Substanzen und der neuen kleinen Molekül-Inhibitoren mit ihren Wirkungen des verlängerten Gesamtüberlebens und der Verlängerung der progressionsfreien Zeit bleibe immer noch viel zu tun, denn das metastasierte Nierenzellkarzinom sei nach wie vor eine unheilbare Krankheit.

Neue Substanzklasse der Checkpoint-Inhibitoren revolutioniert Therapie

Checkpoint-Inhibitoren sind eine neue Substanzklasse, die der tumorbedingten Immunsuppression entgegenwirken. Sie sind in der Lage, das Immunsystem zu beeinflussen, wodurch das Tumorwachstum in eine spätere Phase des Stillstands oder gar des Tumorsterbens verschoben wird. Substanzen wie Nivolumab und Ipilimumab manipulieren Signale der T-Zell-Aktivierung und beeinflussen so Wachstum und Ausbreitung von Tumorzellen. Bedke: "Diese neue Form der Wirkung führte bei Melanom-Patienten bereits zu einem verlängerten Gesamtüberleben, und es wird angenommen, dass dieser Effekt auch bei Patienten mit einem metastasierten Nierenzellkarzinom erreicht werden kann."

Substanzen, die in die Schaltzentrale des Immunsystems eingreifen, um den Krebs zu bekämpfen.

Checkpoints steuern das menschliche Immunsystem

Die sogenannten Checkpoints sind die Schaltzentrale der Regulation des Immunsystems. Aktivierte T-Zellen zerstören Pathogene und Tumorzellen, aber eine zu starke Aktivierung ruft autoimmune Störungen hervor,welche die Bekämpfung der Tumorzellen erschweren. Um die Biologie der Checkpoint-Inhibition zu verstehen, muss man die Bedeutung der Kontrollfunktion der T-Zellen mit aktivierenden und inhibierenden Korezeptoren verstehen.

Obwohl die Checkpoint-Inhibition der Therapieart der spezifischen Immuntherapie zugeordnet wird, muss betont werden, dass nur der Wirkmechanismus spezifisch ist, das heißt der Zielrezeptor ist genau bestimmt. Bedke wies daraufhin, dass die Effekte der entsprechenden Checkpoint-Modulation nicht sehr gut definiert sind. "Es ist unbekannt", so Bedke, "gegen welche tumorassoziierten Antigene die T-Zellen genau aktiviert werden." Genauso unklar sei, in welcher Stärke die Anti-Tumor-Immunantwort hervorgerufen werden könne.

In der Zukunft könnten solche Checkpoint-Modulatoren nicht nur als Einzeltherapie verwendet werden, sondern auch in Kombination mit einem spezifischen Impfansatz, weil die Immunantwort sich direkt gegen ein spezifisches tumorassoziiertes Antigen richtet. Die Entwicklung dieser Checkpoint-Modulatoren ist ein aktueller Brennpunkt der Pharmaforschung. Links in der Tabelle listen wir die aktuellen gentherapeutischen Wirkstoffe sowie die daran beteiligten Unternehmen auf.

Unerwünschte Nebenwirkungen

Allerdings wies Bedke in seinem State-of-the-art-Vortrag ebenfalls darauf hin, dass die Manipulation des Immunsystems auch zu unerwünschten Nebenwirkungen führen wird. "Diese Nebenwirkungen können möglicherweise die Dosierung einer Substanz begrenzen", so Bedke. Alles in allem ist die Immuntherapie ein spannender Ansatz der Gentherapie, der für Patienten mit metastasiertem Nierenzellkarzinom neue Hoffnung bringen könnte.

Quellangabe: UroForum

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